Heinrich Isaak: Chansonmessen & Proprium zu Pfingsten

KategorieProject Weeks
Vergangenes Datum 07 06 2014 18:00
Veranstaltungsort D-06110 Halle (Saale), Johanneskirche - Johanneskirche, An der Johanneskirche 2, 06110 Halle, Germany
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Im letzten Jahr veröffentlichte Cantus Modalis die CD „Missa Paschalis ad organum“ mit Heinrich Isaaks sechsstimmiger Missa Paschalis - Grund genug, nun eine Projektwoche zu Isaak, einem der größten Meister seiner Zeit, durchzuführen. Im Gegensatz zur CD, die ganz der Osterliturgie verpflichtet ist, wollen wir jedoch in unserer Projektwoche passend zur Jahreszeit einen Bezug zum Pfingstfest herstellen.

Heinrich Isaak (um 1450 - 1517) darf als wahrhaft europäischer Musiker gelten. Er wurde in Flandern - vielleicht in Brügge - geboren, genau der Gegend, in der auch viele seiner Zeitgenossen geboren wurden, die später europaweit berühmt wurden: Josquin Desprez (geb. 1450-55 im Hennegau), Jacob Obrecht (geb. 1457/58 in Gent), Pierre de la Rue (geb. um 1460 in Tournai), um nur einige wenige zu nennen. Isaak verbrachte den größten Teil seines Musikerlebens dann in Florenz und Innsbruck. In Florenz gelang es ihm, enge Verbindungen mit der Medici-Familie zu knüpfen - vielleicht war er sogar der Musiklehrer des späteren Medici-Papstes Leo X. In Innsbruck war er hauptsächlich Hofkomponist unter Maximilian I., und es ist nicht auszuschließen, dass auch der Kaiser des heiligen römischen Reiches privaten Musikunterricht von Isaak in Anspruch nahm. Wer sonst kann sich rühmen, dem höchsten geistlichen und dem höchsten weltlichen Herrscher Unterricht gegeben zu haben?

Isaaks Internationalität spiegelt sich beispielsweise auch in seinen Messkompositionen wieder (übrigens hat kein Zeitgenosse, nicht einmal Josquin Desprez, soviele Messen hinterlassen wie Heinrich Isaak): Seine Chansonmessen beispielsweise basieren sowohl auf niederländisch-deutschen als auch auf französischen Liedern. In unserer Projektwoche wollen wir uns mit drei dieser Messen und ihren weltlichen Vorlagen beschäftigen:

- Missa tmeisken was jonck. Die Messe basiert auf einer Chanson des bereits erwähnten Jacob Obrecht mit sehr erotischem Inhalt („das Mädchen war jung...“)
-
Missa Comment peult avoir joie. Sogar zwei Messen mit diesem Titel sind von Isaak überliefert, eine vierstimmig, die andere sechsstimmig. Dabei sind manche

Abschnitte in beiden Fassungen gleich, nur um zwei Stimmen ergänzt, andere wieder völlig verschieden voneinander. Die weltliche Vorlage ist eine Chanson von Josquin mit dem gleichen Titel, gedruckt in Petruccis Canti B (1502).

- Missa een frolic wesen. Diese vierstimmige Messe zeichnet sich durch große Freude an extensiven Melismen aus, schließlich ist bereits der Cantus firmus sehr melismatisch: Sie basiert auf der gleichnamigen dreistimmigen Chanson von Jacobus Barbireau (1455- 1491), die in zahlreichen Versionen überliefert ist: Beispielsweise finden wir in der Orgeltabulatur Leonard Klebers auch eine instrumentale Intavolierung von Hans Buchner (1483-1538). Buchner lebte in Innsbruck und Konstanz, war vermutlich Chorknabe bei Isaak, Orgelschüler von Hofhaimer und später Lehrer von Kleber. Neueren Forschungen zufolge muss man sich Buchner als Multi-Instrumentalisten vorstellen, der außer Orgel auch Blockflöte, Laute und weitere Instrumente beherrscht haben muss.

Instrumentalisten können Buchners Intavolierung von Een frolic wesen als stilistische Inspirationsquelle nehmen, um während unserer Projektwoche Instrumentalfassungen zu Tmeisken was jonck und Comment peult avoir joie zu improvisieren oder zu komponieren. Obwohl die Teilnehmer die Noten aller drei Messen komplett bekommen werden, werden wir nur einzelne Sätze aus jeder Messe singen.

Dem Pfingstfest entsprechend wollen wir unser Programm auch um die entsprechenden Propriumssätze ergänzen: Introitus Spiritus Domini, Alleluia Veni sancte spiritus, Sequenz Sancti spiriti adsit nobis gratia, Communio factus est repente. Im sogenannten Choralis Constantinus sind zu allen Sonntagen im Kirchenjahr vollständige vierstimmige Propriumszyklen von Heinrich Isaak überliefert: In seiner Zeit absolut einzigartig! Die Werke wurden 1508-9 im Auftrag der Kathedrale von Konstanz komponiert und posthum 1550/55 bei Formschneyder gedruckt (mit Ergänzungen des Isaak-Schülers Ludwig Senfl). Aber: Einige der Stücke wollen wir auch in ihrer ursprünglichen, einstimmigen gregorianischen Gestalt singen (nach dem Graduale Pataviense, 1511): Schließlich dürfen wir nie vergessen, dass der Gregorianische Gesang sowohl der Ursprung der abendländischen Melodik als auch das Rückgrat der polyphonen Musik bis weit ins 16. Jahrhundert hinein ist!

In unserer Projektwoche kommen also viele Facetten des Musizierens um 1500 zusammen: Gregorianik und darauf basierte Polyphonie, weltliche Chansons und darauf basierte Polyphonie, sowie ein bisschen Instrumentalmusik.

All diese Mosaiksteine werden sich zu einem großen Gesamtbild zusammenfügen: Einem Bild von der Vielseitigkeit dieser Zeit im Allgemeinen wie auch der Vielseitigkeit Heinrich Isaaks im Speziellen.

Martin Erhardt/Milo Machover 

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