Guillaume DuFay - 'The Greatest Ornament of Our Age'

KategorieProject Weeks
Vergangenes Datum 05 09 2010

Projektwoche

30. August - 5. September 2010

in D - Halle (Saale)

 

Guillaume DuFay

 

Cantus Modalis

Dozenten:

Prof. Dr. Rebecca Stewart,

Martin Erhardt

 

'Die größte Zierde unserer Zeit!'
 

Mit diesen Worten beschrieb Piero de' Medici 1467 den Komponisten Guillaume Dufay (1398/1400-1474).

Immer wenn ich das Privileg habe, mit Dufays Musik zu arbeiten, bin ich fast versucht zu sagen: 'jeglicher Zeit'. Einen fantasievolleren, vielseitigeren und immer jungen Komponisten (und Poeten!) zu finden dürfte schwierig sein, mit Sicherheit jedenfalls innerhalb des 15. Jahrhunderts.

Als erste Projektwoche des Studienjahres 2010-11 des Center Cantus Modalis möchten mein Kollege Martin Erhardt und ich denen von Euch/Ihnen, die vielleicht bisher weniger vertraut sind mit der reichen Diversität von Dufays kompositorischem Können, ein stilistisches und historisches Panorama seines musikalischen Lebens geben. 

Als Erster der ganz großen sogenannten francoflämischen Komponisten setzte Dufay einen sehr hohen Standard für die folgenden Generationen: Er hatte außerordentliche Begabung in verschiedenen Gebieten, war höchst gebildet und erhielt von klein auf eine formidable musikalische Ausbildung. Wenn auch teilweise den turbulenten politischen und religiösen Zeiten geschuldet, ermöglichte seine einzigartige Kombination von Fähigkeiten, dass er bereits als gerade Erwachsener wichtige Funktionen und Ämter bekleidete. Er reiste intensiv durch Burgund, Frankreich und Italien, wo sich überall um ihn herum innerhalb kürzester Zeit ganze Kreise von Gönnern, geistlich wie weltlich, bildeten. Im Laufe seiner - professionellen wie informellen - Studien und Reisen wurde Dufay mit einer Diversität musikalischer Stile, die ihm durchaus erschreckend vorgekommen sein mag, konfrontiert. Obwohl im Ursprung immer entweder geistlich oder weltlich, entweder französisch oder italienisch oder englisch, so resultierte doch aus dem internationalen Charakter dieser turbulenten Zeit ganz automatisch die Entwicklung vermischter musikalischer Genres. Auf gewisse Art war die Epoche, in der Dufay lebte, unserer heutigen recht ähnlich: voller (ausländischer) Anregungen und sehr experimentierfreudig. 

Um eine umfassende Perspektive seiner Zeit und seines Lebens zu geben, haben wir uns für eine einfache Antiphon, eine große Motette und vier Messsätze aus vier seiner berühmtesten Messen entschieden, verteilt über sechs historisch und stilistisch verschiedene Schaffensphasen. Um diese zentralen Orientierungspunkte herum sind damit in Verbindung stehende kleinere Stücke (Gregorianischer Gesang, Motette, Antiphon oder Chanson) 'drapiert'. Zusätzlich werden wir den Zusammenhang zwischen dieser genuin vokalen Tradition und seinen instrumentalen Erweiterungen in Form von Intavolierungen und Improvisationen erforschen. 

Hier eine Übersicht über das Programm:

1. Phase eins: Frankreich 

- Antiphon Ave regina celorum (Laon? ca. 1426; a3; ein großer Fauxbourdon-Satz)

 2. Phase zwei: Italien
 

Missa Sancti Iacobi (Piacenza? 1429-30):

- Introitus Mihi autem nimis (a4/a3; nicht isorhythmisch; enge Verbindung zwischen Textbedeutung und kompositorischen Mitteln)

 

Kyrie cunctipotens genitor (a3/a2; mit gregorianischer Vorlage)

 

3. Phasen 3 und 5: Am Hofe Ludwigs von Savoyen

 

Se la face ay pale:

 

- Chanson (1430er; für Anne von Lusignan; a3; Text in Balladenform, Musik durchkomponiert)

 

Gloria (frühe 1450er?; Messsatz mit Cantus Firmus im Tenor; elegant; spielerisch; durchsichtig)

 

- Intavolierung aus dem Buxheimer Orgelbuch (ca. 1460): für 2-3 Instrumente

 

- neue, eigene instrumentale Intavolierung

4. Phase vier: Florenz

- Sic placet Credo: Nuper rosarum flores (Dufays große isorhythmische Motette komponiert zur Weihe der großen und ebenso 'isorhythmischen' Kathedrale zu Florenz am 23. März 1436; a2/a4)

5. Phase fünf: Cambrai 1458+

 

L'homme armé:

 

- Das originale 'Volkslied' in improvisierter polyphoner/diminuierter instr. Fassung

 

- Chanson Il sera pour vous conbatu/L'homme armé (Morton? Dufay? Busnois?)

 

Sanctus (die Messe komponierte Dufay wahrscheinlich für den jähzornigen, militärischen und verrückten Karl den Kühnen, Herzog von Burgund; sehr spektakulär; Messe mit Cantus Firmus im Tenor)

6. Phase sechs: Cambrai 1470-72

 

Ave regina celorum

 

- Gregorianische Antiphon

 

- Antiphon (kurz vor 1472; ausgearbeitetes Stück a4, welches der Messe als Vorlage dient; Dufays persönliche Note 'Miserere tui labentis/supplicanti Dufay' im Diskant: sollte an seinem Totenbett gesungen werden)

 

Agnus Dei (vermutlich der Kathedrale zu Cambrai zugewidmet; a2/a3/a4; die experimentellste, komplexeste und dichteste aller Messen Dufays; die gregoriansiche Melodie durchdringt alle Stimmen; selbst die polyphone Version ist parodiert!)

7. Zurück zu Phase zwei: Piacenza 1429-30

 

- Communio Vos qui secuti estis aus der Missa Sancti Iacobi (vermutlich der älteste Fauxbourdon-Satz auf dem Kontinent)

  

Rebecca Stewart / Übs. Martin Erhardt, 21. Juli 2010

 
 

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  • von 30 08 2010 bis 05 09 2010

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